Mein schulisches Motto?

Tapete mit Zweigen und Beeren, auf der in Handschrift

Ich möchte mich gerne einer Blogparade anschließen. Dazu muss ich einen Text zum Thema „Mein schulisches Motto 2024“ schreiben. Wenn ich das lese, fällt mir erst einmal nichts ein. Dazu muss ich vielleicht sagen, dass ich zu so etwas auch gar keine Neigung verspüre.

Wann würde ich überhaupt etwas unter ein Motto stellen? Und wenn, warum ein Jahr lang unter ein Motto?

So ein Motto ist ein bisschen unnötig, wie ein guter Vorsatz für das neue Jahr.

Letztes Jahr habe ich gleich zu Beginn motiviert einen Vertrag im Fitnessstudio abgeschlossen. Bis März bin ich auch ein paar Male einigermaßen diszipliniert da gewesen. Dann wurde das Wetter besser, so dass ich lieber Rad gefahren bin oder Joggen ging oder noch lieber gar nichts gemacht habe. Außerdem wurde ich natürlich auch immer mal krank. Im November habe ich den Vertrag wieder gekündigt.

Meine Schuljahre laufen gerne nach einem ähnlichen Schema ab. Voller Motivation und mit begeistert geplantem Unterricht gestartet holt mich schnell die Realität von Ausfall, Krankheiten und Korrekturen auf der einen Seite, neuen Ideen, nötigen Änderungen und schönen Umwegen auf der anderen ein. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich da eine Gelassenheit entwickeln konnte.

Versteht mich nicht falsch, ich bewundere prägnante, kluge Sätze. Ich kann ihnen viel abgewinnen und denke auch gern über sie nach. Aber es liegt mir völlig fern, mich für irgendeinen Zeitraum für einen von ihnen zu entscheiden.

Manche Menschen sind ja geradezu begeistert von Mottos, so dass Sie sich allerlei Kalendersprüche in als schön empfundener Kalligrafie eingerahmt an die Wand hängen oder als verschnörkeltes Wandtattoo verewigen.

Nun stelle ich mir vor, wie ich mit milden Koffeinentzugserscheinungen morgens meine Küche betrete und feststelle, dass die Kaffeemaschine kaputt und die Milch alle ist. Wissend belehrt mich „Give every day the chance to become the most beautiful day of your life!“ an meiner Küchenwand.

Während ich mich ärgere, so früh morgens von einem Wandtattoo verhöhnt zu werden, gehe ich (mit einem Glas Wasser) verschlafen in Richtung Wohnzimmer, stolpere, stoße mir den Kopf am Türrahmen und fluche. Mahnend blickt da „Always a gentleman!“ von einem Schild an der Wohnzimmerwand auf mich herab und versucht, mich zur Contenance zu rufen.

Im Bad schließlich, wo ich die Beule begutachte, die mir bläulich-rot schimmernd auf der Stirn prangt, tröstet mich über dem Spiegel „Auch das Schöne muss sterben!“

Ich lasse das einmal so stehen.

Die Schüler des Abiturjahrgangs machen bei uns am Gymnasium regelmäßig „Mottowochen“, in denen sie sich tageweise in Kostümen präsentieren. Wenn das Motto zum Beispiel „Die goldenen 1920er“ ist, sehen sie aus wie der Cast eines neuen Metropolis-Films. Ist so etwas hier gemeint? Ein Jahr lang Pomade, Seitenscheitel und Anzug? Oder bezieht sich das auf meinen Unterrichts- nicht Kleidungsstil? Da würde ich wohl einige Probleme bekommen, wenn ich so unterrichtete wie in den „goldenen 1920ern“.

Mich stört auch, dass Mottos und Sinnsprüche so oft Imperative sind. Es gibt doch wirklich schon genug Stimmen, Befehle und Gebote, denen ich im Leben ausgesetzt bin. Da wähle ich mir doch nicht ohne Not noch ein Motto zusätzlich.

Viel schöner als Mottos finde ich Bauernweisheiten. Zum Beispiel: Auch wenn man alt wird wie ’ne Kuh, lernt man doch immer noch dazu. Kein Imperativ, einfach eine Aussage. (Milchkühe werden übrigens, wie ich gerade nachlese, höchstens sechs Jahre alt).

Also will ich hier lieber Bauernweisheiten für das Schuljahr 2024 suchen. Da fallen mir auf Anhieb so viele ein, dass ich sie kategorisieren muss.

Wie wäre es zum Bereich „aktuelle Entwicklungen“ damit:
Liest der Lehrer zu viel Precht, wird die nächste Arbeit schlecht.
Oder was ist mit: Übt nicht gut die kleine Lisa, scheitert sie demnächst bei PISA.
Und hier noch eine: Wer sagt uns gern, was keiner kann, na klar das ist der Bertelsmann.

In der Kategorie „moderner Unterricht“ fällt mir ein:
Beginnt die Woche noch agil, endet sie meist infantil.
Oder: Ein Stromausfall wär ganz fatal, der Unterricht ist digital.
Und: Was ist so hohl wie ein Gefäß? Das kleine Wörtchen „zeitgemäß.“

Zum Thema „überholter Unterricht“:
Beginnt die Stunde mit Geschwafel, endet sie stets an der Tafel. Und:
Sind die Hände weiß wie Seide, schreibt der Lehrer noch mit Kreide. Zeitlos hingegen:
Tönt seine Stimme schon von fern, hört sich der Lehrer selber gern.

Zwei habe ich noch, die passen in keine der Kategorien:
Bleibt das Zimmer morgens leer, hol schnell die Vertretung her.
Und zuletzt:
Liest du statt „Uhren“ immer „*****“, lass ab von weitren Korrekturen.

Jetzt wird’s aber zu zotig für diesen Blog.

Ich wünsche allen ein Jahr voller Glück und mit so vielen Weisheiten, Sinnsprüchen und Maximen wie es beliebt!


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Kommentare

2 Antworten zu „Mein schulisches Motto?“

  1. Avatar von Herr Rau

    Beginnt das Jahr mit klugen Sprüchen,
    wär man wohl besser ausgewichen.
    Hat man ein Motto sich gegeben,
    so lässt sich’s unverändert leben.

    Gleichfalls ein schönes Jahr!

  2. Avatar von Herr Mess

    Ich hätte gerne ein paar der Bauernweisheiten gerne als Mottosprüche auf Leinwand. Kann ich die bei dir bestellen? 😉 Danke für die erfrischenden Einsichten. Mein Motto wird auch sehr klein. Und wohl auch kein Imperativ, weil er gar keine Befehlsform enthält. Ich hoffe, ich komme die Woche endlich mal dazu…

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