Unterrichtsentwicklung mit Janosch

In diese Parabel und Kindergeschichte verkleidet Janosch die Weisheit, dass es zu Hause doch am Schönsten ist – allerdings nur, wenn man sich auf die Suche nach etwas Neuem macht und dann am Ende der Suche das Neue im Alten findet.

So ergeht es jedenfalls dem Tiger und dem Bären, die losziehen, das sagenumwobene Panama zu finden und nach allerlei Abzweigungen, Gefahren und Gewinnen am Ende mit genausoviel Hab und Gut wieder dort ankommen, wo sie losgezogen sind. Janosch aber lässt seine Figuren bei diesem Kreislauf nicht scheitern. Am Ende weiß nur der Leser von außen, dass die beiden im Kreis gelaufen sind. Zu fremd ist Ihnen die eigene Vergangenheit geworden, als dass sie selbst die Ähnlichkeit bemerken würden. Und so finden sie ihr Glück schließlich in einer Neubetrachtung ihrer ursprünglichen Heimat.

Dieser Text ist auch deshalb so gelungen, weil er als Parabel für Vieles gelten kann. Und ich finde, er lässt sich gut auf das Weiterentwickeln des eigenen Unterrichts übertragen und die kleinen Odysseen, die dort „erzählt“ werden. 

Ich jedenfalls habe in den letzten – durch die Corona-Pandemie bedingt – turbulenten Jahren genau das für mich festellen können.

Bei aller Experimentierfreude und Offenheit für neue Impulse, soweit sie mir nicht schon auf den ersten Blick als Irrwege erscheinen, komme ich immer wieder „zu Hause“ an.

Im Unterschied zu Tiger und Bär erkenne ich allerdings zumindest das, auch wenn man ja den Balken im eigenen Auge trotzdem nicht erkennen kann. Und wo ist dieses „zu Hause“ für mich? Ich will versuchen, es in Worte zu fassen:

1. Die Beziehung zu meinen Lernenden ist mir wichtig, um zu spüren, wie es ihnen geht. Wenn ich eine Störung bemerke, bin ich bereit, die „Sache“ des Unterrichts sein zu lassen und über das aktuelle Problem zu sprechen. (1)

2. Klare Strukturen sind mir wichtig. Auch wenn es mich manchmal packt, kleinschichtige Stunden zu planen, verfolge ich in der Regel den klassischen Ansatz: 

Einleitung (Input durch mich oder andere) – Erarbeitung (Anwendung und Ausprobieren durch SuS) – Sicherung (klassisches Notieren/Übertragen in etwas Neues/Präsentieren etc.) 

Diesen Dreischritt verfolge ich sowohl in Einzelstunden, als auch in längeren Unterrichtseinheiten. (2)

3. Wenn es die Zeit hergibt, lasse ich den SuS die Möglichkeit, nach einer Rückmeldung durch mich oder andere ihre Ergebnisse zu überarbeiten. Das ist leider oft aufgrund von Zeitzwängen nicht möglich, aber sehr gewinnbringend, wenn es stattfindet. (3)

4. Der Einsatz digitaler Medien in meinem Unterricht ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Damit meine ich sowohl den Einsatz durch mich als auch durch die SuS. Einerseits ist die Technik fehleranfällig, andererseits das Ablenkungspotential zu groß und ich werde dieser beiden Faktoren einfach nicht Herr. Das Erste benötigt eine schnelle Wartung der Geräte, das zweite Regeln, die nicht nur schriftlich festgehalten sondern auch lebendig von allen getragen werden.

Dazu kehre ich immer wieder zurück, auch wenn ich zwischendurch gerne etwas anderes ausprobiere.

Dass ich bei alldem in der Regel nicht über fachlichen Anspruch nachzudenken brauche, dafür bin ich meiner universitären und schulischen Bildung an einem altsprachlichen Gymnasium immer wieder dankbar. Natürlich bin ich weit davon entfernt, alles oder auch nur genug zu wissen, aber es bereitet mir keine Angst mich in neue fachliche Inhalte einzuarbeiten, sondern in aller Regel Freude. Dafür hätte ich gern mehr Zeit, und zwar nicht nur alleine, sondern auch für den kollegialen Austausch.

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(1) Die Formulierung „Störungen haben Vorrang“ stammt nicht von ungefähr aus der Methode der themenzentrierten Interaktion (TZI, www.ruth-cohn-institute.org/tzi-konzept.hmtl). Auch wenn ich mit dem Konzept nur oberflächlich vertraut bin, stellt sich dieser Satz in Gruppenprozessen immer wieder als weise heraus.

(2) Ich kann nicht umhin, mit einer gewissen Verwunderung auf das große Selbstbewusstsein derjenigen zu blicken, die das Gefühl haben mit dem Konzept des „Deeper Learning“ modernen und fortschrittlichen Unterricht zu machen. Denn auch dieses Konzept folgt nach meinem Verständnis keinem anderen Vorgehen als der didaktische Dreischritt (s.o.) es schon längst tut. Dort heißen die Phasen „Instruktion und Aneignung“, „Ko-Konstruktion / Ko-Kreation“ und „Authentische Leistung“. (www.hse-heidelberg.de/hsedigital/hse-digital-teaching-and-learning-lab/deeper-learning-initiative/das-deeper-learning). Für mich sind Tiger und Bär hier einfach nur im Kreis gelaufen.

(3) Der enge Zeitrahmen, in dem schulisch gearbeitet wird, macht gute Rückmeldeschleifen leider nur in Ausnahmefällen möglich. Das ist auch für mich ein Punkt, in dem ich mir eine Änderung des Systems wünsche und wo mein Unterricht oft Chancen verpasst.


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